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Über Gütersloh, Kultur und das gedruckte Wort – wo bleibt der neue Mohn?
#Gütersloh, 28. August 2025
Das #gedruckte #Wort ist zweifellos die größte kulturelle Errungenschaft der Menschheit. Den #Buchdruck mit beweglichen #Lettern hat einst #Johannes #Gensfleisch (genannt »#Gutenberg«) in #Mainz erfunden. Das gedruckte #Buch hat ebenso wie die gedruckte #Zeitung über Jahrhunderte Gesellschaften geprägt, Wissen bewahrt und Emanzipation ermöglicht. In #Gütersloh stand nach dem Zweiten Weltkrieg ein Name für diese Tradition wie kein anderer: #Reinhard #Mohn.
#Mohn brachte mit dem #Bertelsmann Lesering das Buch in die #Wohnzimmer. Er schuf Strukturen, die Millionen Menschen Zugang zum Lesen verschafften. Ob er dabei kulturpolitische Ambitionen hatte oder schlicht ein glänzender Geschäftsmann war, ist im Rückblick zweitrangig. Entscheidend bleibt: Sein Wirken hatte kulturelle Konsequenzen weit über Gütersloh hinaus.
Heute aber wirkt die Stadt wie entwurzelt von diesem Erbe. #Kultur ist hierorts weniger Experiment und intellektuelle Herausforderung als vielmehr #Verwaltungsakt. Förderlinien, Satzungen und Gremien bestimmen, was stattfinden darf. Auf der Bühne stehen allzu oft nicht die Künstlerinnen und Künstler, sondern jene, die sich in Vereinen, Clubs und Kommissionen selbst wichtig nehmen. Kultur wird zur Spielwiese für Wichtigtuer – zur Bühne derer, die Macht demonstrieren wollen, statt Kreativität zu ermöglichen.
Dabei ist der mediale Wandel längst bekannt. #Marshall #McLuhan formulierte, dass das Medium selbst die Botschaft ist. Neil #Postman warnte, dass eine Kultur, die sich dem #Fernsehen und der #Unterhaltung verschreibt, ihre argumentative Tiefe verliert. Heute verschiebt sich die Aufmerksamkeit ins #Digitale, in kurze #Clips, in flüchtige #Bilder. Das gesprochene und gesehene Wort dominiert – das geschriebene Wort droht, an den Rand gedrängt zu werden.
Gerade hier liegt die offene Flanke. Ein neuer Reinhard Mohn – ein echter #Kulturunternehmer – wäre nicht nur jemand, der mit Kapital und Vision neue Räume schafft. Er oder sie müsste vor allem das Wort zurück ins Zentrum rücken. Denn ohne #Sprache, ohne #Schrift, ohne #Texte – und zwar gedruckte – fehlt #Kultur die Grundlage des #Nachdenkens. Bilder verführen, Töne bewegen, doch Worte erklären und verbinden.
#Gütersloh könnte diesen Anspruch erheben. Doch dazu müsste sich die Stadt aus der selbstverschuldeten #Provinzialität lösen, in der Kulturakten dicker sind als Manuskripte und Sitzungsprotokolle wichtiger als #Literatur. Ein »Club des Wortes«, eine echte Förderung des Geschriebenen, könnte der Anfang sein.
Bis dahin bleibt die Frage: Wo bleibt der neue Mohn?