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Die Morale – vom geistigen Zenith zur Farce unserer Zeit
#Gütersloh, 25. August 2025
Die Menschheitsgeschichte lässt sich als eine Abfolge geistiger Atmosphären erzählen – Epochen, in denen jeweils ein Medium die Welt ordnete.
Die #Antike war der eigentliche geistige Gipfel. Dort entstanden #Logos, #Ethos, #Polis, #Dialektik, #Demokratie. Alles, was wir heute denken, ist im Kern schon dort angelegt. Seither gab es keine neue geistige Erfindung – nur #Exegese, #Anwendung, #Missverständnisse. Wir verwalten #Fehllektüren.
Ein Beispiel ist Heraklit. Sein »atomos« meinte das Unteilbare als Prinzip, nicht das kleine Partikelchen. Die Moderne missverstand ihn, machte daraus »#Atome« – und hielt ihn für überholt, als sich zeigte, dass Atome teilbar sind. In #Wahrheit war Heraklit näher an der #Quantenphysik als an #Newton.
Die #Religionen verpackten #Weisheit in #Geschichten. Die #Bibel ist weniger göttliches Diktat als pädagogische List: #Philosophie, #in Mythen gekleidet. Doch Religion funktionierte und scheiterte zugleich: Sie schuf Glauben, aber nicht #Weisheit. Meist diente sie als Rationalisierung für das Gegenteil – #Krieg, #Macht, #Unterdrückung.
Dann kam Jesus. Ob historisch oder nicht, ist zweitrangig. Wichtiger ist das Prinzip Jesus: radikale Kooperation, radikale Liebe, radikale Wahrheit. Spieltheoretisch gesprochen: #Jesus spielte immer »Kooperieren«. Doch reine Kooperation ist in einer Welt voller Defektoren fragil. Ergebnis: das #Kreuz.
#Nietzsche suchte den #Übermenschen – in Wahrheit war Jesus bereits einer. Ein Übermensch, der Gewalt verweigerte. Die Gesellschaft ertrug das nicht, sie folterte und ermordete ihn. Die Kirche machte daraus ein Dogma, das Jesu Prinzip oft verriet.
Die #Spieltheorie zeigt: Stabil sind nicht blinde Opferbereitschaft, sondern Strategien wie »Tit for Tat« – Kooperation, solange der andere kooperiert, mit klarer Sanktion bei Verrat. Oder »Generous Tit for Tat« – gelegentliche Vergebung, um Kooperation wiederherzustellen. Vielleicht bräuchte die Welt einen »Jesus 2.0«: robust kooperativ, aber nicht naiv.
Genau hier liegt die Ironie: Die USA haben »Tit for Tat« zur #Staatsdoktrin erhoben. Kooperation – ja. Aber nur nach eigenen Regeln. »One Nation under God«. Damit können die #USA gar nicht defekt sein, weil sie sich selbst als moralisch überlegen definieren. Der »Pax Americana« ist also nackte #Macht, maskiert mit #Moral.
Die Gründerväter waren inspiriert von #Antike und #Aufklärung – und hielten gleichzeitig #Sklaven. Kein »Zeitgeist«, sondern #Schizophrenie. Die Vernichtung der indigenen Völker zeigt: Das amerikanische Projekt gründete nicht auf Freiheit, sondern auf Blut. Die »Indianer« hätten Koexistenz akzeptiert – doch die #Siedler wollten alles. Sie siegten nicht durch Weisheit, sondern durch Technik: das #Technopol ihrer Zeit.
Die #Römer waren ehrlicher. Ihr #Imperium beruhte auf Stärke. »Rom will es so« – das war Gesetz. Der »Pax Romana« war Unterdrückung, nicht Einvernehmen. #Amerika dagegen kleidet seine Gewalt in moralische Floskeln. Hier liegt der Unterschied: Rom herrschte durch Macht, Amerika durch Macht plus #Heuchelei.
Kulturell spiegelte das »#Star #Trek«. Gene #Roddenberry erkannte den Widerspruch: Die #Föderation will #Frieden, aber nach ihren #Regeln – und droht mit #Gewalt, wenn sie nicht akzeptiert werden. Das ist der »Pax Americana« im Weltall. Die #Vulkanier verkörpern fast »Very Generous Tit for Tat« – rational, kooperativ, gelegentlich verzeihend, aber nie naiv. Menschen hingegen bleiben irrational – und genau das macht Kooperation so fragil.
Damit stehen wir heute im Zeitalter der #Morale
Nicht #Vernunft entscheidet, nicht #Wissenschaft, sondern moralische Dekrete. Empörung ist die Währung. Disziplin (ein Element der Religion) ist verschwunden. Technik liefert die Bühne, aber sie ist nur Unterfütterung. Geistig haben wir nichts Neues erfunden – wir leben von Wiederholungen, Missverständnissen, Posen.
Und hier kommt Stanisław #Lem ins Spiel
Während #Hollywood im #Pathos erstickt (»Pacific Rim«, pathetische Reden, »Tears in Rain« aus »Blade Runner« als Kitsch), hat Lem längst gezeigt, wie klein wir sind.
In den Pirx Geschichten sah er »brennende Schiffe« im All – Szenen, die Ruger Hauers #Monolog in »Blade Runner« fast vorwegnahmen.
In »#Ananke« zeigte er, dass Maschinen die Neurosen ihrer Schöpfer erben – die frühe #Diagnose des »Bias« in #KI.
In »Bedingter Reflex« entlarvte er den Menschen selbst als #Automaten.
In »#Fiasko« schrieb er das größte #Anti #Kriegsbuch der Neuzeit: #Krieg als endgültiges Scheitern von #Kommunikation und Verständnis.
Und in »#Solaris« beschrieb er das Unverständliche – während Hollywood daraus eine Liebesgeschichte machte.
Ironisch: In der #DDR wurde #Lem als# Weltliteratur gelesen, in der BRD landete er in der Sci Fi Nische. Sogar seine Pirx Geschichten wurden als #Kinderserie verfilmt – existenzielle #Literatur verstümmelt zum #Abenteuerkram. Ein Sinnbild für unsere Epoche.
Während Hollywood Pathos inszeniert und die Sowjets Gigantomanie in »Concordski« Manier bauten, schrieb Lem Literatur, die über beide hinausging. Doch verstanden wurde er kaum.
Das ist die bittere Pointe
Antike #Weisheit – missverstanden.
Jesus – missverstanden.
Lem – missverstanden.
Wir leben nicht in einem Zeitalter des Fortschritts. Wir leben im Zeitalter der Morale: einer Herrschaft der Empörung, verkleidet als Aufklärung, gespeist von Technik, aber geistig leer.
Alles andere sind Tränen im Regen.